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Schriftgröße A Standard Schriftgröße A + Schriftgröße vergrößern A + Schriftgröße weiter vergrößernHerr Prof. Pöppel, Ihrer Auffassung nach sind nachlassende Hirnleistungen vor allem auch in einer Unterforderung unseres Gehirns begründet – weniger in der heute so oft zitierten Überlastung. Wie lässt sich Konzentration lernen?
Konzentration lernen – damit meine ich, sich regelmäßig über einen längeren Zeitraum in einen bestimmten Sachverhalt vertiefen. Eine gute Übung dazu ist das Auswendiglernen, z. B. von Gedichten oder Texten. Was man sich zur Konzentrationsübung aussucht, ist letztlich jedem selbst überlassen. Wichtig ist nur das Prinzip dahinter: die Eigenaktivität des Denkens wieder in den Vordergrund zu stellen und sich davon zu lösen, ein ausschließlich aufnehmender Mensch zu sein.
Im Zusammenhang mit der Unterforderung des Gehirns plädieren Sie auch für Hirntraining von Kindesbeinen an?
Prinzipiell ja. Denn wie heute erwiesen ist, besteht der beste Schutz für den Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit darin, sein Gehirn ein Leben lang zu üben. Gegen ein Nachlassen der Hirnleistung und auch gegen demenzielle Erkrankungen sind vielfältige geistige Tätigkeiten eine wirksame Vorbeugung – je früher damit begonnen wird, desto besser. Die Ausgangsbasis unseres Denkens und Erlebens wird in den ersten zehn Lebensjahren festgelegt. Wird in den ersten zehn Lebensjahren nur eine Teilmenge der geistigen Fähigkeiten ausgeprägt, ist später auch nur eine begrenzte Nutzung des Gehirns möglich. Deshalb ist es so wichtig, Kindern eine möglichst breite Plattform an Erfahrungen zu schaffen.
Welche Gedächtnisfunktionen sind ab 50 effizient trainierbar?
Das explizite Gedächtnis, das beispielsweise beim Auswendiglernen von Gedichten oder dem Erlernen einer Fremdsprache benutzt wird, kann prinzipiell bis ins hohe Alter hinein trainiert werden. Dies gilt auch für alle sensorischen Leistungen des Gehirns. Was mit den Jahren nur schwieriger wird, ist das Erlernen motorischer Abläufe, beispielsweise neue Bewegungsmuster bei einer Sportart.
Wie lässt sich die Hirnleistung in einer akuten Situation steigern?
Das ist vor allem eine Frage der generellen Lebenstechnik. Um eine hohe Leistungsfähigkeit aufrecht zu halten, ist es notwendig, regelmäßig zu lesen, genügend Sport zu treiben, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und sich ausgewogen zu ernähren.
Welchen Stellenwert hat Ihrer Meinung nach die moderne Hirnforschung?
Die Hirnforschung ist derzeit eine der wichtigsten Wissenschaften überhaupt. Was den Menschen in seinem unmittelbaren Alltag anbelangt, halte ich sie auch für bedeutender als die Genetik und Molekularbiologie, deren angebliche Versprechungen nicht einhaltbar sind. Essenzieller als über potenziell gegebene Möglichkeiten ist es, etwas über sich selbst in der eigenen Lebenssituation zu erfahren: wie das Gehirn funktioniert, welche Kommunikationsmöglichkeiten und welche Risiken für mein Gehirn bestehen.
Die aktuelle Übung für Freitag, den 30. Juli 2010
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