Weißer Ginseng: Stressreduktion durch Modulation neurozerebraler Netzwerke
2026-05-04
Weißer Ginseng (Panax ginseng) ist eine Behandlungsoption für Patienten mit Stress und innerer Anspannung. Eine an der Ewha Womans University, Seoul, Korea durchgeführte Studie zeigte, dass weißer Ginseng nicht nur das subjektive Stressempfinden lindert, sondern auch die autonome physiologische Reaktivität objektiv verbessert und hyperaktive zerebrale Stressnetzwerke (Default Mode Network, DMN) signifikant dämpft und normalisiert.
An der randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie nahmen 86 Probanden (70 w, 16 m, Ø Alter ~ 34 Jahre) teil, die unter erhöhter Stressbelastung und Anspannung litten (Score ≥ 50 auf 100-Punkte Visueller Analogskala, VAS). Die Studienteilnehmer erhielten über 12 Wochen täglich entweder Weißen Ginseng (6 Kapseln à 495 mg PGC) oder Placebo. Als primärer Endpunkt diente ein „Composite Stress Index“, der die erhobenen Daten zu Studienbeginn sowie nach 6 und 12 Wochen kombinierte:
- Subjektive Parameter: Perceived Stress Scale (PSS), Tensions-Subskala des Stress Response Inventory (SRI), 100 Punkte VAS und der Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI)
- Objektive neurophysiologische Parameter: Messung der Hautleitfähigkeit (Skin Conductance Response, SCR) und der Herzratenvariabilität (HRV) zur Erfassung des autonomen Nervensystems unter experimentellen Stressbedingungen.
Erhöhte Stress- und Angstlevel sind pathophysiologisch häufig mit einer Überaktivität des DMN assoziiert. Das frontoparietale Netzwerk (FPN) im Gehirn ist für die kognitive Kontrolle über Emotionen, Stress und Ängste verantwortlich. Bei chronischem Stress muss das FPN permanent gegen das „alarmierte“ und hyperaktive DMN ansteuern, um die Emotionen zu regulieren. Um die funktionelle Konnektivität des Gehirns, speziell im DMN, zu evaluieren, wurde zu den oben genannte Untersuchungszeitpunkten eine funktionelle Magnetresonanztomographie im Ruhezustand (rs-fMRT) durchgeführt.
Klinische Ergebnisse:
- Signifikante Reduktion der Gesamtstressbelastung: Nach 12 Wochen zeigte die Ginseng-Gruppe eine statistisch signifikante Reduktion des Composite Stress Index im Vergleich zur Placebo-Gruppe (p = 0,006).
- Objektivierbare physiologische Entspannung: Die Ginseng-Gruppe zeigte eine signifikante Verbesserung der autonomen Stressreaktivität, gemessen an SCR und HRV (p = 0,02).
- Die rein subjektiven Parameter verbesserten sich ebenfalls stärker als unter Placebo, erreichten jedoch nicht das Signifikanzniveau (p = 0,083).
Neurobiologische Mechanismen:
- DMN-Modulation: Die fMRT-Auswertung ergab, dass die Ginseng-Anwendung im Vergleich zu Placebo zu einer signifikant stärkeren Abnahme der funktionellen DMN-Konnektivität führte (p = 0,002).
- Innerhalb der Ginseng-Gruppe zeigte sich eine signifikante Korrelation: Je stärker die DMN-Konnektivität im Verlauf der zwölf Wochen sank, desto deutlicher fielen auch die Stresswerte des Composite Stress Index ab (r = 0,410; p = 0,025).
- Zudem führte Ginseng zu einer Normalisierung der Konnektivität im FPN, welches maßgeblich für die kognitive Emotions- und Stressregulation verantwortlich ist.
Weißer Ginseng wurde gut vertragen; es traten keine signifikanten Unterschiede bei der Häufigkeit unerwünschter Ereignisse oder in den Abbruchraten zwischen den beiden Gruppen auf.
Als pharmakologische Basis für diese Effekte werden primär die in weißem Ginseng enthaltenen Ginsenoside Rg1 und Rb1 diskutiert. Für diese Ginsenoside wurden in präklinischen Studien bereits antientzündliche, antioxidative und neuroplastizitätsfördernde Eigenschaften bei chronischem Stress belegt.
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