Long COVID und postvirale Symptome: Phytotherapie als ergänzende Option
2026-01-22
Phytopharmaka können das therapeutische Portfolio bei viralen Erkrankungen und deren Folgen evidenzbasiert ergänzen – so lautet das Fazit einer Arbeitsgruppe der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie in einer narrativen Übersichtsarbeit.
Für Post-/Long-COVID fehlen weiterhin standardisierte Diagnostik- und Therapiepfade; die Leitlinie befindet sich derzeit auf S1-Niveau. Die Behandlung ist symptomorientiert – ganzheitliche Konzepte sind hier besonders geeignet.
Ausgewertet wurden Datenbanken, Erfahrungen aus dem Praxisalltag und offizielle Monographien (98 Publikationen und 24 Monographien), mit Schwerpunkt auf dominierende Symptomenkomplexe und in der westlichen Medizin relevante pflanzliche Ausgangsstoffe (Arzneidrogen).
Eine Auswahl:
Neurologische Beschwerden – myalgische Enzephalomyelitis/chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS)
Adaptogene sind pflanzliche Wirkstoffe, die die Stressresilienz des Organismus erhöhen und gestörte Körperfunktionen in Richtung Normalzustand „ausbalancieren“. Adaptogene können bei Fatigue-assoziierten Beschwerden unterstützen. Am besten untersucht sind Ginseng (Panax ginseng), die Rosenwurz (Rhodiolae rhosea) und die Taigawurzel (Eleutheroccus senticosus). Evidenz liegt für qualitätsgesicherte Zubereitungen vor (stressmodulierend, antioxidativ, immunmodulatorisch, leistungssteigernd).
Nootropika und „cognitive enhancers“
Nootropika sind Arzneimittel, denen eine pharmakologische Wirkung auf das zentrale Nervensystem zugeschrieben wird. Einige wirken vor allem auf Gedächtnis und Kognition, werden deshalb auch als „cognitive enhancers“ bezeichnet.
Ginkgo biloba: Für den Ginkgo-Spezialextrakt EGb 761® liegen umfangreiche mechanistische und klinische Daten mit Relevanz für kognitive und neurologische Defizite, wie sie bei Long COVID auftreten können, vor.
Arzneilavendel (Lavandula angustifolia): Die Anwendung des speziellen Arzneilavendelöls Silexan® ist bei subsyndromalen Angststörungen mit depressiver Begleitsymptomatik belegt; praktische Erfahrungen deuten auf einen Nutzen bei dieser Symptomatik im Kontext von COVID-19/Long COVID hin.
Reizzustände der Atemwege und Husten
Süßholzwurzel (Liquiritiae radix): Experimentelle Daten, u. a. zu SARS-CoV-1, stützen antivirale und entzündungsmodulierende Effekte.
Eukalyptusöl (Eucalypti aetheroleum) mit dem Bestandteil 1,8-Cineol: bewährt bei persistierenden Atemwegsirritationen, Husten, (Rhino-)Sinusitis, Bronchitis, COPD und Asthma.
Weitere Symptome
Weißdorn (Crataegus): bei Kreislaufbeschwerden.
Gelbwurz (Curcumae longa): bei gastrointestinalen Beschwerden.
Fazit:
Die Therapie postviraler Zustände richtet sich nach den vorherrschenden Symptomen (protrahierte postvirale Erschöpfung, Dyspnoe, neuropsychologische, kognitive und vegetative Störungen). Die komplexe Symptomatik erfordert eine differenzierte Diagnostik und individuelle, multimodale Strategien. Phytotherapie kann aufgrund ihrer multifaktoriellen Wirkprofile sinnvoll ergänzen – bei insgesamt heterogener Evidenzlage und Bedarf an weiteren hochwertigen kontrollierten Studien.
Unsere aktuellen Ausgaben
Ginkgo biloba-Extrakt EGb 761®: Evidenz aus systematischen Reviews bestätigt Wirksamkeit und gute Verträglichkeit
Eine aktuelle Übersicht von 16 systematischen Reviews mit über 14.000 Patientinnen und Patienten zeigt konsistent positive, signifikante Effekte des standardisierten Ginkgo biloba-Extrakts EGb 761® auf kognitive Störungen; und auch bei Tinnitus.
LUTS/BPH: Kombination aus α1-Blocker und Sabal-Extrakt mit Zusatznutzen
2026-01-22
Curcuma beim Prämenstruellen Syndrom und Dysmenorrhö
2026-01-22
Akute Bronchitis: häufig Antibiotika – Pelargonium sidoides (EPs® 7630) mit günstigeren Verläufen
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Meta-Analyse zu Crataegus-Extrakten in der Hypertoniebehandlung
2025-12-17