Koreanischer Roter Ginseng bei Typ-2-Diabetes: Effekte auf Insulinsensitivität und oxidativen Stress
2026-11-04
Die ergänzende Einnahme von Koreanischem Roten Ginseng (KRG) zeigte bei Patienten mit gut eingestelltem Typ-2-Diabetes günstige Effekte auf die postprandiale Insulinsensitivität, auf Marker der Lipidperoxidation sowie auf das Lipidprofil. Zudem erwies sie sich als sicher.
Studien-Design
Die randomisierte, placebokontrollierte Studie wurde an der Abteilung für Endokrinologie und Innere Medizin, Yonsei University College of Medicine in Seoul (Südkorea) durchgeführt. In die Studie wurden 70 Patientinnen und Patienten (38 w, 32 m; Ø Alter ca. 63 Jahre) mit gut eingestelltem Typ-2-Diabetes (HbA1c < 7,5 %) eingeschlossen. Die Verumgruppe nahm über 12 Wochen zusätzlich zu ihrer bestehenden oralen antidiabetischen Medikation täglich KRG (2 x 2 Tabletten à 500 mg) ein, während die Kontrollgruppe Placebo-Tabletten erhielt.
Zu Studienbeginn und nach 12 Wochen erfolgte ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT) mit Blutentnahmen zu den Zeitpunkten 0 (nüchtern), 30, 60 und 120 Minuten zur Bestimmung von Plasmaglucose, Seruminsulin, C-Peptid, Glucagon sowie Parametern des Lipidstoffwechsels. Da oxidativer Stress in der Pathogenese der Insulinresistenz eine zentrale Rolle spielt, wurden gezielt Marker des oxidativen Stresses erhoben (u. a. oxidiertes LDL-Cholesterin [oxLDL] und Malondialdehyd [MDA]).
Angesichts potenzieller Interaktionen von KRG mit oralen Antidiabetika – etwa über Cytochrom-P450-Enzyme – sowie einer möglichen Hypoglykämiegefahr wurden sicherheitsrelevante Parameter zur Nieren- und Leberfunktion systematisch erfasst.
Begleitendes Monitoring: Die Teilnehmer führten fortlaufende Blutzuckerselbstmessungen (mindestens 50 Messungen) durch und wurden monatlich telefonisch kontaktiert, um Einnahmetreue, Lebensstil und etwaige unerwünschte Ereignisse zu erfassen.
Die wichtigsten Ergebnisse
Glykämische Kontrolle und Insulinsensitivität
Zwar zeigte die 12-wöchige KRG-Gabe keine signifikante Auswirkung auf klassische Marker wie den Nüchternblutzucker oder den HbA1c-Wert. Es konnten jedoch signifikante Verbesserungen in der postprandialen Insulindynamik beobachtet werden. Im Rahmen des OGTT fiel die Insulinkonzentration nach 120 Minuten unter KRG signifikant geringer aus, und der Insulin Sensitivity Index (ISI[0-120])* stieg im Vergleich zur Placebo-Gruppe signifikant an. Dies deutet auf eine insulinsparende Wirkung nach der Nahrungsaufnahme hin.
Lipidprofil
Innerhalb beider Gruppen zeigten sich über 12 Wochen keine statistisch signifikanten Veränderungen der Lipidwerte. Im direkten Gruppenvergleich unter Berücksichtigung der individuellen Ausgangswerte lagen die Werte für Gesamt-Cholesterin und LDL-Cholesterin unter KRG jedoch signifikant niedriger als unter Placebo. Der Effekt war damit moderat, im kontrollierten Vergleich jedoch klar messbar. HDL-Cholesterin und Triglyzeride unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht signifikant.
Oxidativer Stress
KRG zeigte selektive Effekte auf Marker des oxidativen Stresses: Im Gruppenvergleich waren die Werte für oxLDL und MDA unter KRG signifikant niedriger als unter Placebo – wobei MDA in der Placebo-Gruppe im Verlauf sogar anstieg. KRG scheint oxidativen Schaden durch Lipidperoxidation gezielt abzuschwächen, ohne die systemische oxidative Kapazität messbar zu beeinflussen.
Sicherheit und Verträglichkeit
Es traten keine Hypoglykämien auf, zudem blieben die Nieren- und Leberfunktionsparameter in beiden Gruppen stabil, was auf eine gute kurzfristige hepatische und renale Verträglichkeit hinweist.
Fazit für den Praxisalltag
Die kurzzeitige, adjuvante Einnahme von KRG (2g/Tag) ist bei Patienten mit gut eingestelltem Typ-2-Diabetes unter einer stabilen oralen Therapie sicher und gut verträglich.
Die kurzfristigen metabolischen Effekte scheinen sich in der postprandialen Insulindynamik deutlicher abzubilden als in konventionellen glykämischen Parametern wie z. B. HbA1c. Für Patienten, die KRG ergänzend einnehmen möchten, kann dies eine potenzielle stoffwechselunterstützende Option darstellen.
*Insulin Sensitivity Index (ISI): Der ISI(0-120) ist ein aus dem 2-stündigen oralen Glukosetoleranztest (OGTT) berechneter Parameter zur Messung der Gewebe-Insulinsensitivität unter Belastung. Ein höherer Indexwert signalisiert eine verbesserte Ansprechbarkeit der Zellen auf Insulin und somit eine effizientere Glukoseaufnahme mit verringertem postprandialen Insulinbedarf.
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